Landesinnung für Orthopädietechnik
Berlin-Brandenburg

Berufsbild

Berufsbild

Orthopädietechnik-Mechaniker und -Mechanikerinnen haben die Aufgabe, krankhafte Veränderungen, Fehlbildungen und durch chirurgische Eingriffe bedingte Folgen (z. B. Amputationen) am menschlichen Bewegungsapparat mit mechanischen Mitteln von außen zu versorgen. Dazu versorgen sie körperlich behinderte Menschen mit medizinisch-technischen Konstruktionen wie künstlichen Gliedmaßen (Prothesen), unterstützenden Hilfsmitteln für alle Körperteile buchstäblich von Kopf bis Fuß (Orthesen), Hilfsmitteln mit bestimmten Haltefunktionen (Bandagen) und individuellen Rehabilitationsmitteln.

Mit Hilfe moderner Fertigungsverfahren und unter Verwendung neuester technologischer Entwicklungen sowie der Berücksichtigung aller Erkenntnisse der Biomechanik wird jedes Teil individuell nach den Bedürfnissen des einzelnen Patienten und Kunden gestaltet und angepasst. Unterstützt wird der Orthopädietechniker durch eine Vielzahl von industriell gefertigten Einzelbauteilen, die überall dort eingesetzt werden können, wo die individuelle Passfähigkeit nicht beeinträchtigt wird.

Bei der Versorgung der Patienten arbeiten Orthopädietechniker mit dem behandelnden Arzt zusammen. Nach eingehender Untersuchung stellt der Arzt die Diagnose und definiert eine Vorgabe für das benötigte orthopädische Hilfsmittel. Der Orthopädietechniker entwickelt daraus einen konkreten Versorgungsvorschlag, den er auch mit den behandelnden Physiotherapeuten oder Beschäftigungstherapeuten bespricht. Ziel ist es, für den Patienten in seiner Situation eine optimale physische und psychische Leistungsfähigkeit zu erreichen. Die Prothese, Orthese, Bandage oder der Rollstuhl bestimmen oft mit ihrer Qualität bzw. Ausführung lange Lebensabschnitte der Patienten.

Da ein Großteil der Hilfsmittel von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, muss i.d.R. von diesen vorab eine Genehmigung für die Hilfsmittelversorgung eingeholt werden. In der Praxis beginnt die Versorgung häufig mit dem genauen Messen und Abformen von Körperteilen des zu versorgenden Patienten. Im weiteren Verlauf muss der Orthopädietechniker Metall, Holz, Kunststoff, Gießharze, Leder oder Textilien verarbeiten können. Weiterhin sind Kenntnisse in der computergesteuerten Fertigung von individuellen Prothesen- und Orthesenbauteilen und in anderen modernen Techniken gefragt.

Weitere wichtige Bereiche sind Kompressionsstrümpfe gegen Venenleiden, Brustprothesen nach Amputationen und die Stoma- und Inkontinenzversorgung. Als Rehabilitationsmittel sind neben der Versorgung mit Rollstühlen die individuell hergestellten Sitzschalen für Schwerstbehinderte, sowie der Umgang mit Krankenbetten, Krankenliftern, Sauerstoffgeräten und Hilfen im Bad und bei der Toilette zu nennen. Bei der Versorgung von Patienten mit handelsüblichen Hilfsmitteln stehen eher Tätigkeiten der Beschaffung, Anpassung, Installation, Montage, Wartung und Reparatur im Vordergrund.

Immer wichtiger wird damit auch die Beratung und Anleitung von kranken, behinderten und alten Menschen. Orthopädietechniker benötigen handwerklich-technische Fertigkeiten und Kenntnisse über Anatomie, Pathologie, angewandte Biomechanik und Werkstoffkunde. Darüber hinaus benötigen sie die Fähigkeit, einfühlsam und behutsam mit kranken und behinderten Menschen und ihren Problemen umzugehen. Psychologisches Einfühlungsvermögen z.B. im Umgang mit brustamputierten Frauen, Stomaträgern (künstlicher Darmausgang) und querschnittsgelähmten Patienten stellt an Orthopädietechniker besonders hohe Anforderungen.